Wissenschaft im Fokus
Wyneken, J., S. V. Madrak, M. Salmon & J.
Foote (2008): Migratory activity by hatchling loggerhead sea turtles
(Caretta caretta L.): evidence for divergence between nesting groups.
– Marine Biology 156: 171-178.
Die Wanderaktivität von Schlüpflingen der
Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta
L.): Belege für eine Divergenz zwischen den Nistgruppen
Die in Südflorida nistenden Subpopulationen der Unechten
Karettschildkröte (
Caretta caretta L.) zeigen eine ausgeprägte
Niststrandtreue, wobei die einen nur an der Südost- und die anderen nur an
der Südwestküste von Florida, USA nisten. Die Schlüpflinge, die
aus diesen Nestern schlüpfen, müssen in gegensätzliche Richtungen
schwimmen und müssen nach unterschiedlichen Oberflächenströmungen
suchen, um sich von den kontinentalen Küstengewässern zu entfernen. In
dieser Laborstudie verglichen wir die Muster der Schwimmaktivität der
Schlüpflinge von jeder der beiden Niststrände über den Zeitraum
der ersten sechs Tage nach dem Schlupf. Die Schildkröten von beiden
Küsten zeigten während ihrer ersten 24 Stunden im Wasser gleiche
Aktivitätsmuster in Bezug aufs Schwimmen, das galt auch für die
Tagesstunden während der folgenden 5 Tage. Allerdings waren die
Schlüpflinge von der Westküste während der Nachtstunden
während der letzten 5 Tage viel aktiver, im Vergleich zu jenen von der
Südküste. Diese Differenz könnte in Bezug stehen zu der
größeren Distanz, die die Schlüpflinge von der
Südwestküste zurücklegen müssen, um
Oberflächenströmungen zu finden, die sie aus dem Golf von Mexiko hinaus
in den offenen Atlantik bringen. Diese unterschiedlichen Verhaltensstrategien
könnten genetisch vererbt sein, da man auch von Zugvögeln und Fischen
weiß, dass es korrespondierende Beziehungen zwischen Aktivität und
zurückzulegender Entfernung zwischen den wandernden Populationen gibt, die
vererbt werden. Alternativ könnten diese Verhaltensunterschiede zwischen den
beiden Nistpopulationen auch eine Manifestierung einer phänotypischen
Plastizität (Anpassungsfähigkeit) darstellen, die darauf beruhen, dass
die Schlüpflinge auf ganz bestimmte Reize aus der Umwelt reagieren, die sie
in den jeweiligen Küstengewässern vorfinden.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Da diese Schlüpflinge im Labor untersucht wurden, ist wohl eine ererbte
Verhaltensweise anzunehmen. Denn das Labor hat den beiden Gruppen keine
unterschiedlichen Umweltreize wie das Auffinden von
Oberflächenströmungen zu unterschiedlichen Zeiten geboten, auf die sie
hätten reagieren können. Siehe auch Booth, D.
T. (2008): Swimming for your life: locomotor effort and oxygen
consumption during the green turtle (Chelonia mydas
) hatchling frenzy.
– Journal of Experimental Biology 212 (1): 50-55 oder
WiF-Archiv.
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