Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 25.07.2005
Yao, H. H. C. L.
DiNapoli & B.
Capel (2004): Cellular mechanisms of sex
determination in the red-eared slider turtle, Trachemys scripta.
– Mechanisms of Development 121 (11): 1393-1401.
Zellulare Mechanismen der Geschlechtsentwicklung bei der
Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta
Bei allen Wirbeltieren ist die Festlegung des Geschlechts der Punkt, an dem die
Entwicklung von Testis (Hoden) oder Ovarien (Eierstöcke) aus den
ungeschlechtlichen Gonaden beginnt. Obwohl Mäuse (
Mus musculus)
und Rotwangen-Schmuckschildkröten verschiedene Mechanismen benutzen, um die
Organogenese der Testis zu initiieren (das Y-gekoppelte Gen Sty bei der Maus
gegenüber der Inkubationstemperatur des Eies bei der Schildkröte), ist
die Struktur der geschlechtsreifen Testis auffallend ähnlich. Wir haben
verschiedene zelluläre Mechanismen identifiziert, die bei Mäusen an
der Organogenese der Testis beteiligt sind. Hier haben wir erforscht, ob diese
zellulären Mechanismen bei
Trachemys scripta nach dem Temperatur
abhängigen Wechsel erhalten geblieben sind. Experimente, die die
Zellentwicklung aufzeichneten, deuten darauf hin, dass das Zellgewebe
cölomaler Herkunft bei
T. scripta Vorläufer für
Sertoli-Zellen und interstitial Zellen (Leydigzellen) beisteuert, wie dies bei
Mäusen geschieht. Jedoch entdeckten wir keine spezifisch männliche aus
dem Mesonephron (Mittelniere) hervorgehende Zellauswanderung, ein Prozess, der
für die Bildung der Hodenanlagen bei Mäusen eine Voraussetzung ist. Im
Gegensatz zu Mäusegonaden, wo keine schnurförmige Hodenanlage bis nach
der Aufspaltung in Niere und sich entwickelnde Testis erkennbar ist, fanden wir
heraus, dass diese primitiven schnurförmigen Gonadenanlagen bei
T.
scripta von Anfang an, d. h. vom frühesten noch ungeschlechtlichem
Stadium, das untersucht wurde, an im cölomischen Zellgewebe existierten.
Wir schließen daraus, dass die typische Testis-Architektur eher aus der
Erhaltung und Weiterentwicklung der primitiven, schnurförmigen
Geschlechtsanlagen resultiert, als aus dem Aufbau von neuer Strukturen aus
Vornierengewebe, wie dies bei Mäusen zu beobachten ist.
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