Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 21.12.2007
Zbinden, J. A., C. R.
Largiadèr, F.
Leippert, D.
Margaritoulis & R.
Arlettaz (2007): High frequency of multiple
paternity in the largest rookery of Mediterranean loggerhead sea turtles.
– Molecular Ecology 16 (17): 3703-3711.
Eine hohe Frequenz für multiple Vaterschaften
innerhalb der größten Nistpopulation Unechter Karettschildkröten
im Mediterranraum
Paarungssysteme spielen eine zentrale Rolle für die Evolution von Arten und
Verwandtschaftslinien und sind daher wichtiger Bestandteil der
Erhaltungsgenetik. Zum Beispiel spielt das Muster des männlichen
Reproduktionsverhaltens und die elterlichen Anteile in Gruppen von Nachkommen
eine wesentliche Rolle für die effektive Größe einer genetischen
Population. Ein herausragendes Charakteristikum des Paarungsverhaltens von
Meeresschildkröten scheint die intra- und interspezifische
Variabilität in Bezug auf das Ausmaß der Polyandrie zu sein. Weil es
schwer ist, das Paarungsverhalten von Meeresschildkröten auf offener See zu
beobachten, ist es hilfreich, die genetische Vaterschaftsanalyse einzusetzen, um
Einblicke in ihr Reproduktionsverhalten zu bekommen. Wir untersuchten anhand von
vier hoch variablen Mikrosatellitenloci das Auftreten von multiplen
Vaterschaften innerhalb der größten mediterranen Nistpopulation.
Zusätzlich untersuchten wir den Zusammenhang zwischen der Anzahl der
Väter und der Körpergröße der Weibchen. In 14 von 15
Gelegen verschiedener Weibchen wurde mehr als ein Vater festgestellt, wobei zwei
der Gelege mehr als fünf Väter aufwiesen. In mehr als der Hälfte
der Fälle war die Beteiligung der verschiedenen Väter zum Gesamtgelege
nicht gleich verteilt. Die Anzahl der Väter pro Gelege stieg signifikant
mit der Körpergröße der Weibchen an. Diese Beziehung lässt
vermuten, dass Männchen große Weibchen mit höherem reproduktivem
Potential bei der Paarung bevorzugen. Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass
die Polyandrie zu einer Vergrößerung der effektiven genetischen
Population beiträgt im Vergleich zu Arten, bei der sich die Weibchen mit
nur einem Partner paaren, wobei der Beitrag der Männchen gleich bleibt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Wieder eine Erkenntnis, die zu belegen scheint, wie wichtig für
bestimmte Schildkröten der Genfluss innerhalb der Population zu sein
scheint. Etwas, das man insbesondere bei Arterhaltungsprogrammen zu
berücksichtigen hat. Dass es dabei unterschiedliche Strategien zu geben
scheint, wird auch deutlich, wenn man einmal die für die verschiedenen
Schildkrötenspezies bekannt gewordenen Befunde vergleicht. Siehe:
Moon et al. (2006): Multiple paternity and breeding
system in the gopher tortoise, Gopherus polyphemus
. – Journal of
Heredity 97 (2): 150-157 oder WiF-Archiv;
Roques et al. (2004): Microsatellite markers reveal
multiple paternity and sperm storage in Mediterranean spurthighed tortoise,
Testudo graeca
. – Canadian Journal of Zoology – Revue
Canadienne de Zoologie 82: 153-159 oder WiF-Archiv;
Bowen et al. (2005): Conservation implications of
complex population structure: lessons from the loggerhead turtle (Caretta
caretta
). – Molecular Ecology 14 (8): 2389-2402; oder
WiF-Archiv; Roques et al.
(2006): Sperm storage and low incidence of multiple paternity in the European
pond turtle, Emys orbicularis: A secure but costly strategy? – Biological
Conservation 129 (2): 236-243, oder SiF 3 (3)
2006; Johnston et al. (2006): Detection of
multiple paternity and sperm storage in a captive colony of the central Asian
tortoise, Testudo horsfieldii
. – Canadian Journal of Zoology
– Revue Canadienne de Zoologie 84 (4): 520-526,
SiF 4 (1) 2007.
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