Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 30.12.2007
Zhao Z, Y.
Teng, H.
Liu, X.
Lin, K.
Wang, Y.
Jiang & H.
Chen (2007): Characterization of a late gene
encoding for MCP in soft-shelled turtle iridovirus (STIV). – Virus
Research 129 (2): 135-144.
Die Charakterisierung eines spät exprimierten Gens
für MCP beim Iridovirus der Weichschildkröten
Das Major Caspid Protein (MCP) ist die Hauptstrukturkomponente von
Viruspartikeln und ist bislang für die Identifizierung und Klassifizierung
vermuteter neuer Iridoviren wichtig. In dieser Arbeit identifizierten und
charakterisierten wir erstmals die komplette Sequenz des MCP-Gens, eines
Iridovirus aus Weichschildkröten (soft shell turtle Iridovirus; STIV). Das
MCP, das als ein spätes Transkript mittels der Pharmakainhibition
klassifiziert wurde, kodiert für ein 463 Aminosäure umfassendes
Protein mit einem vorhergesagten Molekulargewicht von 50kDa. Indirekte
Immunofluoreszens (IIF) und Virusneutralisationsassays wurden entwickelt, um die
Sensitivität des Virus und die Virus-neutralisierende Aktivität eines
MCP-spezifischen Antiserums zu bestimmen. Zusätzlich wurde das zeitliche
MCP-Expressionsmuster während einer STIV-Infektion mit Westernblot und dem
RT-PCR-Assay charakterisiert. Diese Ergebnisse zeigten, dass STIV als ein
Mitglied der Ranaviren innerhalb der Familie der Iridoviridae anzusehen ist und
dass STIV ein Zelltyp spezifisches Programm der viralen Genexpression zeigt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Auch hier wieder ein schönes Beispiel für die beiden Seiten einer
Medaille, während die wirtschaftliche Nutzung und Ausbeutung der
Schildkröten in China zu beklagen ist, so führen doch gerade diese
wirtschaftlichen Interessen dazu, dass veterinärmedizinische Forschung
betrieben wird. Denn die Identifizierung dieser Viren ist der erste Schritt zur
Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen. So laut wir auch hierzulande als
Liebhaber debattieren würden und so viel auch darüber bei den Tagungen
der Amphibien und Reptilientierärzte diskutiert werden mag, solche
Forschungsansätze hat es hier kaum gegeben und wenn, sind sie heillos
unterfinanziert oder gedeihen nur durch die Zusammenarbeit mit einigen
amerikanischen Wissenschaftlern (dort wird auch gefarmt!). Insofern vielleicht
der normale Verlauf einer Entwicklung einer Nutzung von Schildkröten durch
den Menschen, wie wir es aus der Geschichte unserer Nutztiere kennen. Denn die
Medikamente für unsere Haustiere sind wohl auch ursprünglich durch den
notwendigen Einsatz bei der lukrativeren Massentierhaltung entwickelt worden als
deshalb, weil „Lieschen Müller“ etwas zur Gesundung ihres
Kanarienvogels brauchte. Insofern vielleicht eine Entwicklung, die sich dann
bezahlt macht, wenn wir die hochgepäppelten, vielleicht von Inzucht
gezeichneten Erhaltungspopulationen seltenster Spezies auf lange Sicht in
beengten Anlagen managen wollen oder müssen. Siehe auch:
Yang et al. (2007): The immune response and
protective efficacy of oral alginate microparticle Aeromonas sobria vaccine in
soft-shelled turtles (Trionyx sinensis). – Veterinary Immunology
and Immunopathology 119 (3-4): 299-302 oder
WiF-Archiv.
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