Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 04.02.2008
Zheng, R.-Q., W.-G.
Du, Y.-P.
Zhang & Y.-X.
Bao (2006): Influence of incubation temperature on
embryonic use of energy and mineral metabolism in the Chinese three-keeled pond
turtle Chinemys reevesii. – Acta Zoologica Sinica 52 (1): 21-27.
Der Einfluss der Inkubationstemperatur auf den
embryonalen Energieverbrauch und den Mineralmetabolismus bei der Chinesischen
Dreikielschildkröte, Chinemys reevesii.
Wir inkubierten insgesamt 111 Eier von der Dreikielschildkröte,
Chinemys reevesii bei vier konstanten Temperaturen 24 °C, 27
°C, 30° C und 33 °C, um den Einfluss der Inkubationstemperatur auf
die embryonale Ressourcennutzung zu analysieren. Die Inkubationstemperatur hatte
einen signifikanten Einfluss auf die embryonale Nutzung der Energie. Die Embryos
transferierten mehr Trockenmasse, Fette und Energie aus dem Dotter in sich
hinein, wenn die Eier bei den mittleren Temperaturen von 27 °C und 30 °C
inkubiert wurden im Vergleich zu der höchsten und niedrigsten
Inkubationstemperatur. Auch die Restdottermasse in den Schlüpflingen wurde
durch die Inkubationstemperatur beeinflusst, wobei deutlich mehr Restdotter bei
der höchsten Inkubationstemperatur enthalten war. Die Energie, die in den
Geweben der Schlüpflinge vorhanden war, war deutlich höher bei denen,
die bei 27°C inkubiert worden waren, im Vergleich zu jenen, die bei den
anderen Temperaturen inkubiert worden waren. Zusätzlich beeinflusste die
Inkubationstemperatur signifikant den Kalziumstoffwechsel nicht aber den
Metabolismus von Kalium und Magnesium. Die Embryos inkorporierten deutlich
weniger Kalzium aus dem Dotter und der Eierschale, wenn sie bei nur 24 °C
inkubierten im Vergleich zu jenen, die bei höheren Temperaturen
inkubierten. In Übereinstimmung dazu lag auch der Kalziumgehalt in den
Eierschalenresten der Tiere, die bei 24 °C inkubiert worden waren, am
höchsten. Deshalb scheint es bei
C. reevesii so zu sein, dass die
mehr moderaten Inkubationstemperaturen von 27 °C und 30 °C die
embryonale Energienutzung optimieren und auch den embryonalen
Mineralmetabolismus aus dem Dotter und der Eierschale verbessern, was
letztendlich dazu beiträgt, dass aus den Eiern gut entwickelte
Schlüpflinge schlüpfen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Sicher mancher mag sich fragen, warum mussten 111 Schlüpflinge sterben?
Aber grundlegende Daten sind nun mal nicht ohne Opfer zu erarbeiten.
Letztendlich finde ich aber, dass sich im Gegensatz zu manch anderen Studien der
Einsatz gelohnt hat. Denn sind wir doch mal ehrlich, über wie viele Aspekte
der Inkubation wurde in der Vergangenheit schon diskutiert oder besser
spekuliert, ohne dass es wirklich harte Belege für die Spekulationen gab.
Diese Arbeit liefert klare Fakten und Zusammenhänge, die es auch für
die Zukunft erlauben, auf das Töten von Schlüpflingen vielleicht zu
verzichten, denn wenn sich zwischen optimaler Inkubationstemperatur und dem
Kalziumverbrauch aus der Eierschale ein klarer Bezug ergibt, braucht man
zukünftig nur noch die Restkalziummenge in den Eierschalenresten zu
bestimmen, um Rückschlüsse auf das Temperaturoptimum bei der
Inkubation zu ziehen. Schön wäre es allerdings noch gewesen, wenn man
vor der Aufarbeitung der Gewebe das Geschlecht der Schlüpflinge bestimmt
hätte.
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