Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 04.02.2008
Zhu, X.-P., Y.-L.
Chen, C.-Q.
Wei, Y.-H.
Liu & J-F.
Giu (2006): Temperature effects on sex
determination in yellow pond turtle (Mauremys mutica
Cantor). – Acta Ecologica Sinica. 26
(2):620-625.
Temperatureffekte in Bezug auf die
Geschlechtsausprägung bei Gelben Sumpfschildkröten (Mauremys
mutica Cantor)
Genotypische Geschlechtsausprägung (GSD) und temperatur-abhängige
Geschlechtsausprägung (TSD) co-existieren bei Reptilien. TSD bezieht sich
darauf, dass das Geschlecht nach der Befruchtung der Eier in Abhängigkeit
zur Temperatur festgelegt wird, der der Embryo während eines bestimmten
Zeitfensters in der Entwicklung ausgesetzt ist. Letzteres ist die sogenannte
Thermosensitive-Periode (TSP). Die meisten Schildkröten zeigen TSD und es
gibt zwei Muster: TSD I und TSD II. Bei TSD I entwickeln sich Weibchen bei
höherer Temperatur und Männchen bei niedriger Temperatur. Bei TSD II
entstehen Weibchen sowohl bei hoher als auch bei kühleren Temperaturen,
während Männchen bei einer mittleren Temperatur heranreifen. Bei
einigen Spezies von Schildkröten wie bei
Clemmys insculpta,
Emydura signata, ist das Geschlecht temperaturunabhängig und wird
durch den Genotyp festgelegt. Die asiatische Gelbe Sumpfschildkröte
(
Mauremys mutica Cantor) gehört zu
der Familie der Emydidae, die in Südostasien beheimatet ist. In China
findet man sie in den Provinzen Guangxi, Guangdong, Hainan, Fujian, Anhui,
Zhejiang und Jiangshu sowie in Taiwan. Bedingt durch ihren höheren Wert als
Speiseschildkröte im Vergleich zu anderen Arten wird sie häufiger in
Aquakulturen gezüchtet. Bislang gibt es aber keine Berichte zur
Geschlechtsausprägung bei Gelben Sumpfschildkröten. Um nun die
Geschlechtsbestimmungsmuster sowie die Geschlechtsabhängigen
Phänotypen bei der Gelben Sumpfschildkröte zu untersuchen, benutzten
wir aufgezogene (gefarmte) Populationen. Die Eier wurden in drei Gruppen
aufgeteilt (40 Eier pro Gruppe) und bei verschiedenen Temperaturen inkubiert,
(25±0,5 °C), (29±0,5°C) und (33±0,5°C). Die
Embryonalentwicklungsrate erhöhte sich mit zunehmender
Inkubationstemperatur bei den drei unterschiedlichen Temperaturregimen. Die
Kumulative-Temperatureeinheiten (CTUs) (XX °C x Stunden) waren am
höchsten bei 25 °C, am niedrigsten bei 29 °C und intermediär
bei 33 °C. Bei 25 °C und 29 °C lag die Schlupfrate bei 97,5 % aber
bei 33 °C nur noch bei 67,5 % und davon zeigten 11,5 % der Schlüpflinge
Abnormalitäten. Diese Befunde lassen vermuten, dass höhere
Temperaturen um 33 °C die Embryonalentwicklung negativ beeinflussen, auch
weil die CTUs bei 33 °C höher als bei 29 °C lagen und die
Schlupfrate absank. Die Anzahl der Weibchen erhöhte sich aber mit
zunehmender Inkubationstemperatur. Der Prozentsatz der Weibchen lag bei 23,7 %
(25 °C ) und 50 % (29 °C ), während er auf 94,7 % bei 33 °C
anstieg. Die Daten zeigten, dass das Geschlechterverhältnis bei 25 °C
und 33 °C signifikant verschieden zu dem 1:1 Verhältnis bei 29 °C
war (p < 0,005), was vermuten lässt, dass bei der Gelben
Sumpfschildkröte TSD vorliegt und es sich um den TSD-Typ I handelt. Die
Pivotaltemperatur für die Gelbe Sumpfschildkröte liegt sehr
wahrscheinlich bei 29 °C.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine Arbeit mit einer klaren Befundlage, die sich direkt für die Zucht
von Mauremys mutica
einsetzen lässt. Hier ist nur unklar, warum
die Autoren immer noch davon sprechen, dass sie für alle Temperaturen eine
Beschleunigung der Entwicklung beobachtet hätten, denn der 33 °C Befund
zeigt wohl eher eine Verzögerung an, selbst wenn sie nicht so deutlich
ausfiel wie bei 25 °C. Siehe dazu auch die Arbeit
Zheng, R.-Q., W.-G. Du, Y.-P. Zhang & Y.-X. Bao
(2006): Influence of incubation temperature on embryonic use of energy and
mineral metabolism in the Chinese three-keeled pond turtle Chinemys reevesii.
– Acta Zoologica Sinica 52 (1): 21-27 oder
WiF-Archiv.
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